Das Wunder von Oberkötzachstein
Niemand wollte jemals nach Oberkötzachstein. Das hatte wohl einen Grund, den aber kein Oberkötzachsteiner kannte. Dabei war es doch dort so schön. Das Dorf, 1634 gegründet, hatte 853,4 Einwohner. Jeder davon war stolz darauf, ein Teil der Gemeinde zu sein, oder behauptete es zumindest. In einer virtuellen Welt macht das ja auch gar nichts, wenn man so abgeschieden lebt. Das WLAN funktionierte doch meistens. Aber irgendwie hat es immer alle gewurmt, wenn sie die Berichte über die Hamburger Elbphilharmonie, über Venedig, über Santorini……ja über die kleine Insel im Eibsee unterhalb der Zugspitze gesehen haben. Supertoller Stau an jedem sonnigen Tag, so dass nicht einmal mehr ein Krankenwagen oder die Wasserwacht durchkamen. Wozu auch. Es gibt ja Hubschrauber. Auch wenn die meist im Dauereinsatz waren, um verunglückte Selfie-Ausnahmetouristen in Flipflops auf Elektro-Bikes aus unwegsamem Gelände zu retten und dann nochmals zurückzukehren, um die Bikes zu bergen und den Eigentümern gereinigt zurückzubringen. Man kann ja schließlich zusätzliche Helikopter kaufen, wenn die vorhandenen nicht reichen, oder?
Aber nach Oberkötzachstein? Niemand fuhr jemals dorthin.
Keiner.
Niemals.
Jemals.
Eines Tages kam der Brunner Sepp beim Oberkötzwirt auf die Idee, dass man sich auf Social Media dafür einsetzen sollte, Touristen in diesen schönen Ort zu locken. Aber warum sollten die eigentlich kommen? Und wie sollte man so etwas anstellen? Am Stammtisch wurde das Thema seitdem jeden Abend heftig diskutiert, doch niemand kam je auf eine zündende Idee.
☹